Polymarket US hat den US-Bundesstaat Ohio vor einem Bundesgericht verklagt. Die Klage richtet sich gegen Generalstaatsanwalt Andy Wilson und die Ohio Casino Control Commission, die dem Prediction Market Anbieter das Angebot von Sportkontrakten ohne staatliche Lizenz untersagen wollen.
Eingereicht wurde die Klage am 16. Oktober 2026, genau an dem Tag, an dem die Frist der Behörde ablief. Das berichten Unchained und SBC Americas unter Berufung auf die Klageschrift. Ohio hat bislang nicht auf die Klage reagiert.
Zehn Anbieter bekamen eine Unterlassungsaufforderung
Auslöser ist ein Schreiben der Ohio Casino Control Commission vom 2. Oktober. Darin forderte die Behörde zehn Prediction Market Betreiber auf, ihre Sportkontrakte für Nutzer in Ohio einzustellen. Die Frist dafür lief am 16. Oktober ab.
Laut Klageschrift wirft die Behörde Polymarket US vor, ohne Lizenz Buchmachergeschäfte zu betreiben oder zu vermitteln. Das verstoße gegen das Zivil- und Strafrecht des Bundesstaates.
Ein Sprecher der Kommission sagte gegenüber CryptoCasinos, ein Anbieter habe die Einhaltung bestätigt, zwei weitere hätten geklagt. Polymarket ist einer davon. Gouverneur Mike DeWine hat den Generalstaatsanwalt angewiesen, gegen die übrigen Anbieter vorzugehen.
Zwei Argumente gegen die Zuständigkeit von Ohio
Polymarket US stützt die Klage auf zwei Argumente. Erstens verstoße das Lizenzsystem von Ohio gegen die Handelsklausel der US-Verfassung. Es bevorzuge Unternehmen mit einem physischen Standort im Bundesstaat und beschränke selbst lizenzierte Anbieter auf Kunden aus Ohio.
Zweitens falle die Aufsicht über Eventkontrakte an bundesweit zugelassenen Börsen allein in die Zuständigkeit der Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Grundlage dafür sei der Commodity Exchange Act.
Das Unternehmen verlangt, dass die Glücksspielgesetze von Ohio in seinem Fall für verfassungswidrig und durch Bundesrecht verdrängt erklärt werden. Zusätzlich beantragt es eine einstweilige und eine dauerhafte Verfügung gegen die Durchsetzung.
Warum der Zeitpunkt für Polymarket heikel ist
Der Fall liegt beim Southern District of Ohio, zuständig ist Richter Douglas Cole. Dieses Gericht gehört zum Sixth Circuit, dessen Berufungsgericht am 25. September gegen Kalshi entschieden hat. Die Richter kamen damals zu dem Schluss, dass Sportkontrakte keine Swaps im Sinne des Bundesrechts sind und Ohio seine Wettgesetze durchsetzen darf.
Polymarket argumentiert, dieses Urteil sei vor einer veränderten Rechtslage ergangen. Am 9. Oktober hat die CFTC zwei Schritte eingeleitet: eine vorläufige Regel, die klassische Casinoprodukte aus der Swap-Definition ausnimmt, und einen Regelvorschlag, der Eventkontrakte ausdrücklich einbezieht.
Ob das Gericht diese Sicht teilt, ist offen. Die Klage verweist auch auf den Third Circuit, der im Streit mit New Jersey zugunsten von Kalshi entschieden hat. New Jersey hat den Supreme Court um eine Überprüfung gebeten. Die Berufungsgerichte sind in der Frage gespalten.
Was das für Spieler bedeutet
Für Nutzer in Ohio ändert sich vorerst nichts. Polymarket US hat bis zum 21. Oktober keinen Eilantrag gestellt, und Ohio hat noch nicht erwidert. Solange kein Gericht eingreift, bleibt die Unterlassungsaufforderung der Behörde bestehen.
Für den deutschsprachigen Raum ist der Fall vor allem als Signal interessant. Prediction Markets wie Polymarket und Kalshi werden in den USA in immer mehr Bundesstaaten als Glücksspiel eingestuft. Welche Linie sich durchsetzt, dürfte am Ende der Supreme Court entscheiden.
Die Klage belegt nicht, dass Polymarket von den Glücksspielgesetzen in Ohio ausgenommen ist. Sie zeigt nur, dass der Anbieter den Streit vor Gericht austragen will, statt sein Angebot zurückzuziehen.