Der Sportwetten und Glücksspielkonzern Flutter will in Großbritannien und Irland bis zu 1.400 Stellen streichen. Als Grund nennt das Unternehmen hinter Paddy Power, Sky Bet und Betfair die deutlich höheren Glücksspielsteuern im Vereinigten Königreich.
Das berichten die Nachrichtenagentur Reuters und die britische Zeitung The Guardian übereinstimmend. Flutter gab den Umbau am 20. Oktober 2026 bekannt, Details zu einzelnen Marken oder Abteilungen nannte der Konzern dabei nicht.
Betroffen sind vor allem Leeds und Dublin
Der Stellenabbau betrifft laut Reuters Standorte in Leeds und Dublin sowie Beschäftigte des britisch-irischen Geschäfts in den Zentren Porto in Portugal und Cluj-Napoca in Rumänien. Der Guardian nennt zusätzlich Sunderland.
Leeds gilt als wichtigster Standort von Sky Bet, dort dürften laut Guardian viele der Stellen wegfallen. Flutter beschäftigt nach Angaben von Reuters weltweit rund 28.500 Menschen, davon etwa 9.000 in Großbritannien und Irland.
Gemessen daran könnte rund jede sechste Stelle im britisch-irischen Geschäft wegfallen. Der Guardian kommt mit einer etwas anderen Basis von 8.960 Beschäftigten auf mehr als 10 %.
Kosten von bis zu 90 Millionen US-Dollar
Für den Umbau rechnet Flutter laut Reuters mit Kosten zwischen 80 und 90 Millionen US-Dollar. Diese sollen im vierten Quartal 2026 anfallen.
An der Börse kam die Nachricht gut an: Die Aktie stieg laut Guardian im frühen US-Handel um mehr als 2 %. Wann genau die Stellen wegfallen und ob Wettbüros geschlossen werden, ist bislang nicht bekannt.
Höhere Steuern auf Online Casino und Online Wetten
Hintergrund ist eine Steuerreform aus dem britischen Haushalt 2025. Laut Guardian sieht sie vor, die Abgabe auf Online Casino Spiele, die sogenannte Remote Gaming Duty, von 21 % auf 40 % anzuheben. Die Steuer auf Online Sportwetten steigt demnach von 15 % auf 25 %.
„Wie wir vor einem Jahr gewarnt haben, können wir eine Erhöhung dieser Größenordnung nicht vollständig auffangen, ohne unsere Fixkosten zu senken“, erklärte Kevin Harrington, Chef von Flutter für Großbritannien und Irland, laut Reuters. Der Konzern müsse sein Geschäft deshalb umbauen.
Die Steuererhöhung habe das wirtschaftliche Modell der regulierten Branche in Großbritannien grundlegend verändert, so Harrington laut Guardian. Zugleich warnte er, die höheren Abgaben würden den unlizenzierten Markt stärken. Außerdem sieht er Flutter als größten Anbieter im Land gut aufgestellt, um Marktanteile zu gewinnen.
Kritik an der Begründung
Nicht alle teilen diese Sicht. Paddy Power Gründer Stewart Kenny warf der Branche laut Guardian vor, mit Jobverlusten Panik zu schüren, um höhere Steuern abzuwenden.
Ein ungenannter Branchenkenner verwies gegenüber der Zeitung zudem auf die laufende Integration von Sky Bet, das Flutter 2020 übernommen hatte.
Flutter ist nicht der einzige Anbieter, der Personal reduziert. Wettbewerber Entain, Eigentümer von Ladbrokes, kündigte laut Reuters im September an, rund 20 % der Stellen im Kundenservice zu streichen, nachdem er bereits zuvor 500 Stellen abgebaut hatte.
Zusätzlichen Druck könnte eine mögliche Erhöhung der Steuer auf Spielautomaten bringen. Laut Guardian prüft die britische Regierung diesen Schritt, die Denkfabrik Social Market Foundation schlägt eine Verdopplung von 20 % auf 40 % vor.
Was das für Spieler bedeutet
Für Spieler im DACH-Raum ändert sich durch den Umbau zunächst nichts, betroffen ist das britisch-irische Geschäft. Der Fall zeigt aber, wie stark Steuersätze die Kosten großer Anbieter und damit auch ihr Angebot beeinflussen.
Offen bleibt, welche Marken und Abteilungen genau betroffen sind und ob Flutter auch Filialen schließt. Wir berichten, sobald der Konzern weitere Details nennt.