Beim Prediction Market Predict.fun sind rund 400.000 USDT ohne Zustimmung der Nutzer aus deren Wallets abgeflossen. Die Plattform hat den Vorfall am 27. Oktober 2026 bestätigt und allen Betroffenen eine vollständige Entschädigung zugesagt.
Predict.fun läuft auf der BNB Chain und gehört zu den größeren Krypto Plattformen für Wetten auf Ereignisse. Die Angaben zum Vorfall stammen aus einer Mitteilung des Betreibers auf X, über die unter anderem crypto.news, PANews und ChainCatcher berichtet haben.
Was bisher bekannt ist
Laut Predict.fun war nur „eine kleine Anzahl von Nutzern“ betroffen. Die unberechtigten Transfers summieren sich nach Angaben des Betreibers auf etwa 400.000 USDT. Wie viele Wallets genau betroffen sind, hat die Plattform bislang nicht mitgeteilt.
Der Betreiber kündigt an, alle direkt entstandenen Verluste zu ersetzen. Wörtlich heißt es: „Wir werden alle betroffenen Nutzer für sämtliche Mittel, die direkt durch diesen Vorfall verloren gegangen sind, vollständig entschädigen.“ Einen Zeitplan oder ein Verfahren für die Erstattung nennt Predict.fun noch nicht.
Spur führt zu externer Dokumentationsseite
Eine erste Untersuchung deutet laut Betreiber auf die Dokumentationsseite für die Programmierschnittstelle der Plattform. Diese Seite wird von einem externen Dienstleister betrieben und war möglicherweise für kurze Zeit kompromittiert. Den Namen des Anbieters hat Predict.fun nicht genannt.
Die Dokumentationsseite ist bis zum Abschluss der Untersuchung offline. Ungeklärt bleibt bislang, wie eine kompromittierte Doku-Seite zu Abflüssen aus Nutzer-Wallets führen konnte. Der Betreiber stellt dazu einen ausführlichen Abschlussbericht samt Schutzmaßnahmen in Aussicht, nennt aber kein Datum.
Hinweise auf mehrere Angriffswellen
Ein Sicherheitsforscher mit dem Pseudonym SomaXBT beschreibt laut einem Bericht von AMBCrypto drei Wellen. Demnach verloren am 14. und 15. Oktober sechs Nutzer zusammen rund 16.700 US-Dollar. Am 22. Oktober sollen weitere sechs Nutzer etwa 125.000 US-Dollar eingebüßt haben.
Ab dem 27. Oktober waren nach dieser Darstellung 22 Nutzer mit rund 267.800 US-Dollar betroffen. Insgesamt kommt der Forscher auf etwa 409.500 US-Dollar. Diese Aufschlüsselung ist bislang unbestätigt, Predict.fun selbst spricht nur von einem kurzen Zeitraum.
Ein ähnlicher Fall traf im Juni 2026 den Konkurrenten Polymarket. Dort hatte ein kompromittierter Drittanbieter einem Angreifer erlaubt, schädlichen Code in die Weboberfläche einzuschleusen. Der Analyst Specter schätzte den Schaden damals auf rund 2,94 Millionen US-Dollar, auch Polymarket versprach volle Erstattung.
Predict.fun ist im Dezember 2025 gestartet. Im April meldete die Plattform ein kumuliertes Handelsvolumen von mehr als 1,8 Milliarden US-Dollar und über 4 Millionen verarbeitete Orders. Im selben Monat integrierte Binance Wallet die Märkte direkt in seine App.
Ebenfalls im April gab YZi Labs eine weitere Investition bekannt, an der sich auch Susquehanna Crypto beteiligte. Seit dem 1. September bietet Predict.fun ein Dashboard für Entwickler, über das sich API-Schlüssel erzeugen lassen. Laut einem Bericht von AMBCrypto liegt die Plattform nach Daten von DeFiLlama beim Monatsvolumen hinter Polymarket und Kalshi auf Rang drei.
Was das für Spieler bedeutet
Der Fall zeigt, dass bei Krypto Plattformen nicht nur die eigene Software ein Risiko ist. Auch externe Dienstleister können zur Schwachstelle werden, selbst wenn sie nur Dokumentation oder Hilfsseiten bereitstellen.
Die zugesagte Entschädigung ist eine freiwillige Leistung des Betreibers. Wenn du bei Prediction Markets oder Krypto Casinos aktiv bist, lohnt ein Blick auf ungenutzte API-Schlüssel und erteilte Wallet-Freigaben. Größere Guthaben sollten nicht dauerhaft auf einer Plattform liegen.
Offen ist noch, wie der Angriff technisch ablief und wann das Geld tatsächlich erstattet wird. Wir verfolgen den angekündigten Abschlussbericht und berichten, sobald Details vorliegen.