Der US-Bundesstaat Utah hat den Prediction Market Kalshi vor einem Staatsgericht verklagt. Generalstaatsanwalt Derek Brown wirft dem Unternehmen vor, in Utah illegales Glücksspiel anzubieten.
Die Klage wurde am 20. Oktober 2026 beim Third District Court in Salt Lake County eingereicht. Das geht aus einer Mitteilung des Generalstaatsanwalts sowie aus Berichten von Utah News Dispatch und Deseret News hervor.
Sie richtet sich gegen mehrere Kalshi-Gesellschaften und zusätzlich gegen zwei Firmen der Handelsgruppe Susquehanna.
Die Vorwürfe gegen Kalshi
Kalshi bietet Eventkontrakte auf Sport, Wahlen, Politik und Kultur an. Utah sieht darin schlicht Wetten. Brown formulierte es laut Mitteilung so: „Kalshi betreibt in Utah ein Online Casino und nennt es Prediction Market.“
In der Klageschrift vergleicht der Staat Kalshi mit dem Betreiber einer Spielhölle im Hinterhof. Alle betroffenen Wetten seien in Utah platziert worden oder hätten Einwohner des Bundesstaats betroffen.
Utah verbietet Glücksspiel seit der Staatsgründung im Jahr 1896. Laut Brown ist es einer von nur zwei US-Bundesstaaten, in denen das Verbot zusätzlich in der Verfassung steht.
Public Nuisance und vier Klagepunkte
Kern der Klage ist eine Erklärung, die Brown am selben Tag veröffentlicht hat. Darin stuft er Glücksspiel als öffentliches Ärgernis ein, im US-Recht „public nuisance“ genannt. Damit erhält der Staat ein zivilrechtliches Werkzeug gegen den Betreiber.
Laut Klageschrift kommen drei weitere Punkte hinzu: ungerechtfertigte Bereicherung, zivilrechtliche Verschwörung sowie ein Antrag auf Feststellung und Unterlassung. Utah verlangt Rückerstattung, Schadenersatz und die Herausgabe von Gewinnen.
Zusätzlich soll ein vom Gericht bestätigter Geolocation-Anbieter sicherstellen, dass aus Utah keine Wetten auf Sport, Wahlen, Politik oder Kultur mehr möglich sind.
Die Zahlen hinter der Klage
Nach Angaben aus der Klageschrift hatten im Februar 2026 mehr als 32.000 Nutzer aus Utah ein verifiziertes Konto bei Kalshi. Die Gebühreneinnahmen aus Utah schätzt der Staat auf 30,6 bis 61,2 Millionen US-Dollar.
Grundlage der Schätzung ist eine Gebühr von ein bis zwei Cent pro Wette. Die Verluste der Spieler aus Utah beziffert die Klage laut Deseret News auf rund 5,5 Millionen US-Dollar.
Einige Medien nannten die 61,2 Millionen als Forderung. Tatsächlich handelt es sich um eine Schätzung der Einnahmen: Die genaue Höhe der Rückzahlung soll erst vor Gericht festgelegt werden.
Kalshi verweist auf die CFTC
Kalshi reagierte mit einer knappen Stellungnahme. Sprecherin Jacki McGavick erklärte, Kalshi sei eine bundesweit regulierte Finanzbörse, vergleichbar mit dem Aktienmarkt.
Als Derivatemarkt unter Aufsicht der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) unterliege Kalshi dem Bundesrecht. Kein einzelner Bundesstaat solle darüber ein Veto haben. Die neue Klage berühre das laufende Verfahren auf Bundesebene nicht.
Der Streit ist nicht neu: Im Februar 2026 hatte Kalshi selbst gegen den Gouverneur und den Generalstaatsanwalt von Utah vor einem Bundesgericht geklagt. Bundesrichter Robert J. Shelby entschied im August zugunsten Utahs.
Kalshi ging in Berufung, das Verfahren läuft noch. Einen Aufschub der Durchsetzung lehnte das Berufungsgericht laut Generalstaatsanwalt im September ab.
Was das für Spieler bedeutet
Für Spieler im DACH-Raum ändert die Klage direkt nichts. Sie zeigt aber, wie umstritten die Frage ist, ob Eventkontrakte Finanzprodukte oder Glücksspiel sind. Laut Deseret News haben mindestens neun US-Bundesstaaten rechtliche Schritte gegen Prediction Markets eingeleitet.
Für dich heißt das: Die rechtliche Einordnung solcher Plattformen kann sich je nach Land schnell ändern. Wer dort Guthaben hält, sollte die Entwicklung im Blick behalten.
Offen ist, wie das Staatsgericht über die beantragte Unterlassung entscheidet. Brown sprach zudem von einer größeren Untersuchung, zu möglichen Strafverfahren äußerte er sich nicht. Wir verfolgen den Fall weiter.